Skeleton Geschichte

Die Entstehung der olympischen Sportart Skeleton

Bereits die Indianer Nordamerikas entwickelten Methoden, um in den schneereichen Wintern ihre Zelte und ihre Jagdbeute besser transportieren zu können. Sie banden mehrere Birkenäste oder grössere Rindenstücke zu einer Plattform zusammen und formten das Holz oder die Rinde am einen Ende zu einem Bogen. Die Cree-Indianer nannten diesen Schlitten "otobanask", aus dem später das kanadische "toboggan" entstand. 
Auch in anderen schneereichen Ländern, wie Russland, Schweden, Norwegen und der Schweiz, wurden schon sehr früh Fortbewegungsmittel "erfunden", die das Vorwärtskommen im hohen Schnee erleichterten. Diese Gefährte entwickelten sich jedoch Richtung Hörnerschlitten und Rodel.

Aber bei allen Völkern stand der Schlitten als Transportmittel und nicht als Sportgerät im Vordergrund. Erst bei den Coughnawaga-Indianern, die in der Nähe von Ontario ihre Zelte aufgeschlagen hatten, wurde das Schlitteln von den Kindern wie auch von den Erwachsenen als eine Art Freizeitbeschäftigung betrieben. Die weissen Einwanderer Kanadas übernahmen dieses Freizeitvergnügen, und bald wurden auch Clubs gegründet.

Der berühmteste war der "Montreal Toboggan Club" (gegründet 1870). Dieser Club baute auch jeden Winter auf der südwestlichen Seite des Mount Royal eine mehrspurige Bahn. Der Run begann auf einem kleinen künstlichen Hügel. Die ersten 30 Meter ging es abwärts, davon waren die ersten zwanzig Meter sehr steil. Nachher lief die Bahn noch weitere 365 Meter in die Ebene hinaus. Eine Bahn war 60 bis 90 cm breit und wurde mit Brettern oder Schneewändchen von den übrigen Spuren getrennt. Nach dem ersten Schneefall wurden die Bahnen mit Schnee aufgefüllt und mit Wasser bespritzt. Während der kalten Nächte entstand so eine Eisbahn. Eine ähnliche Anlage wurde etwas später auch in Orange, New Jersey, vom Essex County Toboggan Club gebaut. Diese war etwa 300m lang. Beide Bahnen wurden mit den flachen Kanadiern befahren.

Viel früher wurden in Europa solche Anlagen gebaut, aber hier verwendete man andere Schlitten und fuhr im Sitzen. In Petersburg war bereits 1777 eine solche Bahn, im Berliner Prinz-Albrecht-Park 1840 und im Berliner Bellevue-Park 1844. Aber in allen Fällen waren diese Schlittenfahrten nur zum Vergnügen, nie war ein sportlicher Gedanke dahinter. Dies änderte sich, als die Engländer auch im Winter die Schweizer Höhenkurorte besuchten.

Die Anfänge in der Schweiz

Auch in der Schweiz kannte man bisher keine sportlichen Wettkämpfe. Die Kinder brauchten den Schlitten (Davoser) für die Fahrt in die Schule oder um an den freien Nachmittagen damit an den Hängen herumzutollen. Den Hausfrauen und Pöstlern war der Schlitten ein geeignetes Transportmittel, um in den tiefverschneiten Berggebieten ihre Einkäufe nach Hause zu bringen bzw. die Post zu vertragen. St. Moritz und Davos waren schon Mitte des 19. Jahrhunderts bekannte Höhenkurorte.Viele Tuberkulosekranke, darunter auch Engländer, kamen in die Berge, wo sie ihre Krankheit kurieren ließen. Sowohl St. Moritz wie Davos hatten im Sommer viele Gäste. Aber mit dem Einzug des Winters leerten sich auch die Kurorte.

Einer Legende zufolge soll Johannes Badrutt, der Besitzer des Kulm-Hotels in St. Moritz, im Jahre 1864 mit ein paar Engländern gewettet haben, dass es im Engadin im Winter genau soviel Sonne gibt wie im Sommer und dass es so warm sei, dass sie weder Hut noch Jacke anzuziehen brauchten. Die Engländer nahmen die Wette an und verbrachten dem Winter in St. Moritz. Und das Wetter war tatsächlich so, wie es ihnen J. Badrutt versprochen hatte. In den folgenden Jahren kamen immer mehr Touristen, unter ihnen viele Engländer, in die Bündner Berge. Aber den sportlich veranlagten Inselbewohner wurde es bald einmal zu langweilig, den ganzen Tag nur an der Sonne zu sitzen. Sie borgten sich von den Einheimischen deren Schlitten aus und vergnügten sich damit.

In Davos hatte man bereits zwei Schlittelwege. Der eine war beim Hotel Belvedere, der andere, 1,6km lang, beim Buol-Hotel. Der Andrang war bald einmal so gross, dass sich einige Leute nach neuen Möglichkeiten umsahen. Sie fanden sie in der Poststrasse nach Klosters und in der Clavadel-Strasse.

Einer, der ebenfalls ein begeisterter Schlittler war, war der Engländer John Adington Symonds, der von seinem Arzt zur Kur nach Davos geschickt wurde. Und als er sah, welche Begeisterung bei Fahrern und Zuschauern zwischen den Gästen des Belvedere-Hotels und des Buol-Hotels auf dem Schneerun von der Villa "Am Stein" auslöste, gründete er im Jahre 1883 den "Davos Toboggan Club".

Am 12. Februar 1883 veranstaltete Symonds das erste "International" auf der Poststrasse von Davos nach Klosters. Dies war auch das erste offizielle Schlittelrennen der Welt. 21 Fahrer aus fünf Nationen starteten um Einminutenabstand. Neuschnee machte das Rennen leicht und sehr langsam. Am schnellsten waren der Australier George Robertson und der Pöstler von Klosters, Peter Minsch, die auf die Sekunde gleich schnell waren. Sie brauchten für die ca. 3,2km lange Strecke neun Minuten und 15 Sekunden.

Der grosse Erfolg führte dazu, dass Symonds am 7. Februar 1884 das zweite "International" von Davos durchführte. Wieder gewann P. Minsch, diesmal aber alleine und in einer wesentlich schnelleren Zeit, er brauchte noch 6 Minuten und 35 Sekunden für die zwei Meilen.

Die erste deutschen Natureisbahn wurde 1967/68 am Königssee erbaut. In dieser Zeit fanden auch hier unter der Regie von Max Probst die ersten Fahrten mit selbstgebauten Skeletonschlitten statt. Während sich der Skeletonsport sehr schnell verbreitete, blieb für Ihn die Zeit in Ostdeutschland vergleichsweise stehen. Zwar war mit der Bobbahn in Altenberg eine geeignete Strecke vorhanden, doch das DDR-Regime förderte nur den olympischen Bob- und  Rennrodelsport, die Ausübung des Skeleton-Sport hingegen war sogar untersagt! Dies änderte sich erst mit der Wiedervereinigung der ehemaligen zwei deutschen Staaten 1990. Erst seit der Gründung von Vereinen in Thüringen (1991) und Sachsen (1994) konnte der Skeletonsport auch hier wieder ausgeübt werden und wurde zunehmend populärer.

Mittlerweile messen sich die Sportler bei internationalen Wettkämpfen wie Weltmeisterschaften und Europameisterschaften, Weltcups, Intercontinental Cups, Europacups, America´s Cups und nach 1924 und 1948 auch seit 2002 wieder bei Olympischen Winterspielen.

Größtes Event sind natürlich die Olympischen Winterspiele alle 4 Jahre.
Die jährlichen Saisonhöhepunkte stellen jeweils die Welt- und Europameisterschaften sowie die Weltcups dar. Des Weiteren finden in jeder Saison (Oktober bis März) auf den weltweit 17 Bahnen viele nationale und internationale Rennen statt.